Story Challenge: Story 1

Die ersten drei Worte wurden mir von Roman gegeben. Er hat ein Jahr in Indien gelebt und liest gerne ernstere Geschichten. Deswegen wundert es mich nicht, dass das Genre seiner Wahl das DRAMA ist. Die Protagonistin ist DEEPIKA und wir sind in INDIEN.


Deepika schien die Nachmittagssonne warm ins Gesicht. Die feuchte Luft kräuselte ihre Haare und hinterließ einen klebrigen Film auf ihrer Haut. So spürte sie kaum die Träne, die ihr über die Wange lief, als die Männer ihren Hardik auf den frisch gestapeltenScheiterhaufen legten.

„Schhhh! Nicht weinen!“ zischte Hardiks Mutter ihr zu, während sie langsam das Krematorium betraten.

Nicht, weinen. „Nicht weinen“, war immer ihr Mantra egal was passiert war. So war das Leben nun mal. Sie hatte nie geweint. Nicht an ihrem Hochzeitstag, nicht bei der Geburt ihres Kindes und auch nicht als ihre Mutter verstarb. Aber heute war es irgendwie anders. Deepika war unruhig. So unruhig wie nie zuvor. Schon als ihr die Nachricht gebracht wurde, Hardik sei ihm Krankenhaus, er sei von einem Auto angefahren worden,hatte sich ein merkwürdiges Gefühl in ihrem Bauch gespürt. Zuerst wusste sie nicht, was es war, dass sie fühlte, auch nicht als sie an Hardiks Bett stand und der Arzt ihr sagte es würde nicht gut aussehen, sie solle sich auf das Schlimmste vorbereiten.

Das Schlimmste. Was war das Schlimmste? War Das das Schlimmste?

Die Gesänge der Anwesenden hallten in ihren Ohren, der „Zeremonienmeister“ sang am lautesten während er die Fackel gen Himmel streckte. Der Himmel, war zwar in seinem Fall nur das Blechdach des offenen Krematoriums, doch es war dennoch ein Anblick, der sich Deepika ins Gedächtnis brennen sollte. Langsam sank sein Arm tiefer und näher an den Scheiterhaufen. Näher an Hardik. Gleich würde sein in weißes Leinen und Ghee gewickelter Körper in Flammen aufgehen. Es würde nichts übrig bleiben von Hardik. Nur Asche. Deepikas Herz klopfte schneller. Ihr war noch wärmer als wenige Momente zuvor.

„Deepika! Reiß dich zusammen! Du darfst hier nicht weinen!“ wieder fuhr sie ihre Schwiegermutter von der Seite an.

Sie hatte recht. Deepika musste sich zusammenreißen. Nur noch ein paar Stunden durchhalten. Dann war es vorbei. Dann war sie endlich frei.

Die Fackel setzte den Scheiterhaufen in Brand.

Deepika nahm einen tiefen Atemzug und trat einen Schritt näher an die wachsenden Flammen heran. Ein Funke sprang über und hinterließ schwarzen Ruß auf ihrem weißen Trauergewand. Die Glasperlen auf ihrem Oberteil glitzerten im Licht der Flammen orange – rot. Der beißende Geruch von Hardiks verbrennendem Körper trieb ihr wieder Tränen in die Augen. Noch ein paar Stunden. Dann war es vorbei.


Danke Roman für diese Aufgabe, es war schön über eine kleine Geschichte in die Kultur eines Landes einzutauchen, in dem ich selbst nie war. Ich habe über die kleine Recherche einiges gelernt und freue mich schon auf die nächste Aufgabe!

Eure Missi Leon